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22.03.2016 | Christian Reinhold

„Hör mal zu“ – Podcastprojekt an der Sonderschule für geistig Behinderte

Auf einem interaktiven Poster kann man per Berührung die Geräusche der Klosterbergschule anhören. Die Geräusche wurden im Rahmen der Podcast-AG aufgenommen. Bild: Kindermedienland Baden-Württemberg

Der Medienkompetenz-Fund der Initiative Kindermedienland unterstützt immer wieder Projekte, die pädagogisches Neuland beschreiten. So geschehen auch bei „Hör mal zu!“ – einem Schülerpodcast an der Klosterbergschule in Schwäbisch Gmünd. Das Besondere an dem Projekt ist, dass es sich bei der Klosterbergschule um ein sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum handelt. Dana Schleiß, Initiatorin des Projektes, verriet uns, wie sie auf die Idee zu dem Projekt kam.

 

Dana Schleiß ist Lehramtsanwärterin an der Klosterbergschule und absolviert heute ihre Präsentationsprüfung im Rahmen ihrer Lehramtsausbildung. Als Bestandteil ihrer Ausbildung führte sie die Podcast-AG durch, bei der die Schüler zuerst Geräusche aufnehmen und daraus anschließend Audiobeiträge produzieren, welche man über das Internet abrufen kann. Projekte mit digitalen Medien fanden an der Klosterbergschule bisher wenig Anwendung. „Neue Medien und geistige Behinderungen werden nicht immer miteinander in Einklang gebracht“ bedauert Dana Schleiß zu Beginn unseres Interviews. Dass in sonderpädagogischen Medienkonzepten viel Potenzial steckt, ist sich Dana Schleiß aber sicher: „Wir versuchen Schritt für Schritt die Tore zu öffnen, gemeinsam den Weg zu gehen und die Barrieren abzubauen“.

Frau Schleiß, wie kamen Sie zu der Idee?

Im Rahmen meiner Lehramtsausbildung ist es notwendig, im sogenannten sonderpädagogischen Handlungsfeld ein Projekt durchzuführen. Ich bin selber sehr medienaffin und seit 2012 begeisterte Podcast-Hörerin. Deswegen wollte ich die Themen Audio-Produktion und Schule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung miteinander kombinieren.

Welche Podcasts hören sie denn gerne?

Privat höre ich gerne WDR-Zeitzeichen, da ich ein sehr historisch interessierter Mensch bin. Gerne höre ich auch SWR 2.

Wie muss man sich einen typischen Projekttag mit den Schülerinnen und Schülern vorstellen?

Frank Nachtwey von der Stadtbibliothek Ludwigsburg unterstützte das Projekt beim Erstellen der Internetseite und bei der Einrichtung des Touchboards. Bild: Kindermedienland Baden-Württemberg

Immer unterschiedlich. Es geht zuerst um die Bedürfnisse unsere Schüler, die jede Woche anders ausfallen können. Wenn wir eine Klassenstunde beginnen, ist es wichtig, dass wir gemeinsam zur Ruhe kommen bzw. Kontakt zueinander aufnehmen. Dann hängt alles davon ab, welche Zielsetzung sich die Schüler gestellt haben. Die Schüler selbst setzen sich nämlich Wochenziele, die von uns aufgegriffen und begleitet werden. Wir entdecken gemeinsam die Klosterbergschule in ihren vielseitigen Geräuschen, entwickeln eine Geschichte dazu und nehmen abschließend die Podcasts auf.

Was war das Thema vom letzten Podcast?

Wir haben gerade den dritten Podcast veröffentlicht. Das war ein Fantasy-Podcast, der ganz von den Schülern konzipiert und entwickelt wurde. In der Geschichte ging es um Verbrecher an der Schule, die von den „Super-Schülern“ mit ihren „Super-Kräften“ besiegt wurden.

Wie sind die Reaktionen der Eltern und Lehrkräfte?

Über die Schülerinnen und Schüler bekommen wir mit, dass die Eltern sehr interessiert sind. Die Meinungen sind aber immer recht unterschiedlich. Einige Eltern stehen dem Projekt eher skeptisch gegenüber. Deswegen versuchen wir mithilfe des Podcasts über die schulischen Grenzen hinauszugehen. So bieten wir allen Eltern eine größtmögliche Transparenz. Die Schülerinnen und Schüler können mit Hilfe der projekteigenen Internetseite zu Hause darüber berichten, was sie im Schulalltag erleben. Der Podcast transportiert auf diesem Wege das Schulleben in den Alltag der Familienhäuser. Vom Kollegium wird das Projekt manchmal kritisch beäugt. Großteils kommen aber sehr positive Rückmeldungen. Manche Kollegen erzählen sogar, dass sie sich den Podcast angehört haben und selber daraus eigene Ideen für ihren Unterricht entwickelt haben.

Was ist der Unterschied zwischen einem konventionellen Projekt und einem Medienprojekt an ihrer Schule?

Der Lesestift wird auch zur Schulung der Hörkompetenz eingesetzt. Bild: Kindermedienland Baden-Württemberg

Ich würde gar nicht die Unterschiede hervorheben. Jedes Projekt hat einfach seinen eigenen Mehrwert. Der Podcast schafft aber etwas, was konventionelle Projekte nicht leisten können: durch die eigene Internetseite kann das Projekt öffentlich dargestellt werden. Interessierte können sich sowohl zeit- wie auch ortsunabhängig darüber informieren. Beispielweise erhalten die Eltern und auch die Schüler der Klosterbergschule die Möglichkeit, direkt von Smartphone aus auf die Internetseite der Podcast-AG zugreifen zu können.

Und was bekommen Sie von der Mediennutzung der Schülerinnen und Schüler mit, besitzen die alle ein Smartphone?

Wir haben das Projekt natürlich evaluiert. Dabei habe ich eine sehr heterogene Ausgangssituation festgestellt. Teilweise gab es Schülerinnen und Schüler mit wenig bis gar keiner digitalen Medienerfahrung. Manche unserer Schüler kannten keine Smartphones und hatten teilweise Angst, technische Medien in die Hand zu nehmen und mit ihnen zu arbeiten. Andere waren hingegen bei der Nutzung digitaler Medien bereits fortgeschritten. Die kannten bereits Youtube oder nutzen WhatsApp.

Welche Unterstützung könnten Sie noch gebrauchen?

Über mehr Technik freuen wir uns immer. Kommunikation über das Projekt ist uns aber auch hilfreich. Zum Einen erfahren Außenstehende von unserer Medienarbeit an der Klosterbergschule. Zum Anderen ist Kommunikation ein wichtiger Punkt, um auch außerhalb der schulischen Grenzen über die sinnvolle Nutzung neuer Medien miteinander in den Austausch zu kommen.

 

Viele Dank für das Interview! Mehr Eindrücke zum Projekt erfährt man in der Kindermedienland-Mediathek.

 

Mehr zur Podcast-Produktion ist in unserem Audiobereich zu finden.

Audio, Internet / Web 2.0, Lehrkräfte, Radio / Podcast

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