MediaCulture-Online Blog

03.03.2016 | Anja Lochner, Henriette Carle

Audioguides und Audiostifte beim Ohrenspitzertag 2016

Bild: Kim-Anna Bucher/LMZ

„Oh du liebe Wiese, Dein zartes Mausgrau erfreut mein Auge, Du bist und bleibst ein textiles Gedicht für jeden Barfußläufer!“ Diese stark verkürzte Ode an einen Teppich war Teil eines Audioguide-Workshops, der beim Ohrenspitzer-Jahrestreffen am 19. Februar 2016 im Landesmedienzentrum Baden-Württemberg (LMZ) stattfand. In einem weiteren Workshop lernten die Referentinnen und Referenten einen digitalen Audiostift kennen, der bereits vorproduzierte Töne oder selbst aufgenommene Audiodateien abspielen kann.


Zudem gab es einen „besonders festlichen Anlass“, wie Thomas Herbst, Abteilungsleiter Pädagogik und Technik am LMZ, verkündete, nämlich die frisch gelaunchte Ohrenspitzer-Website. Projektkoordinator Steffen Eifert stellte die verbesserte Struktur der Seite vor, die Mediathek, die Hörspielsammlung sowie die neue Methodendatenbank, die zahlreiche Handreichungen und Materialien beinhaltet. Thomas Rathgeb von der Landesanstalt für Kommunikation (LFK) betonte in seiner Begrüßungsrede die Bedeutung des Projekts auch für den Bildungsplan 2016: „Das ist eine gute Möglichkeit für Ohrenspitzer, unser Material und unsere Ideen konstruktiv einzubringen und zu vermitteln, dass wir mit unserem Angebot alles umsetzen können, was die Leitperspektive Medienbildung erfordert.“ Ohrenspitzer sei, so Rathgeb, „ein wunderbarer Einstieg in das Thema Medienkompetenz, denn jeder versteht sofort, worum es geht.“

Bildergalerie

Ohrenspitzertag 2016 Gallery: Thomas Herbst begrüßt das Publikum.

Ohrenspitzertag 2016 Gallery: Salutschüsse zum Start der neuen Ohrenspitzer-Website mit Luftballons.

Ohrenspitzertag 2016 Gallery: Ein Hörübung stimmt auf den Ohrenspitzertag ein.

Ohrenspitzertag 2016 Gallery: Teilnehmerinnen und Teilnehmer bewegen sich zu Musik durch Filmsaal des LMZ.

Ohrenspitzertag 2016 Gallery: Der Ohrenspitzertag bietet immer Gelegenheit zum Austausch.

Ohrenspitzertag 2016 Gallery: Auch für das leibliche Wohl ist natürlich gesorgt.

Ohrenspitzertag 2016 Gallery: MP3s erstellen im Workshop „Audioguide mit QR-Codes“.

Ohrenspitzertag 2016 Gallery: Aufnahme für den Audioguide.

Ohrenspitzertag 2016 Gallery: Audiotour de Ländle

Ohrenspitzertag 2016 Gallery: Folkard Leuschner erklärt den Anybook Reader..

Ohrenspitzertag 2016 Gallery: Ein Gegenstand wird für den Audiostift vertont.

Ohrenspitzertag 2016 Gallery: Arbeiten mit dem Audiostift.

Audioguides mit QR-Codes in der Schule

In einem der Workshops konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer selbst Audioguides mit QR-Codes erstellen. Bild: Louis Mehlin/LMZ

Im Workshop Produktion und Einsatz von Audioguides in der Schule zeigten Steffen Eifert, Projektkoordinator von Ohrenspitzer, und Linda Straub, Realschullehrerin für Sport, Mathe und Physik, den Referentinnen und Referenten, wie sich Audioguides mit geringem Aufwand produzieren lassen. Audioguides kennt man vor allem aus dem Museum, wo sie zu verschiedenen Stationen Informationen liefern, die man über ein portables Abspielgerät hört. Auch in der Schule kann man Audioguides zu diversen Themen erstellen und sie beispielsweise für eine Rallye nutzen oder in den Unterricht einbeziehen, zumal sie wesentliche Kompetenzen, die der Bildungsplan 2016 vorsieht, bedienen: Denn nicht nur das Anhören der Tonaufnahmen, sondern auch deren Produktion schulen Medienkompetenz (Umgang mit Mikrofon, Computer, Internet, Passwörtern etc.), rhetorische sowie inhaltliche Fähigkeiten.


So produzierte eine neunte Klasse der Rosensteinschule-Schule in Stuttgart im Fach Englisch „Jobguides“, also Audioguides zur beruflichen Orientierung. Die Vorüberlegung lautete dabei: „Wie könnten wir Berufe vorstellen?“ Die Schulklasse und die Lehrerin hatten tolle Ideen, das Ohrenspitzerteam unterstützte technisch. Die Schülerinnen und Schüler sprachen auf Englisch kleine Interviews ein, in denen es um Tätigkeitsfelder, Verdienstmöglichkeiten oder berufliche Voraussetzungen ging (z.B. Busfahrer, KFZ-Mechaniker). Das Ergebnis kann sich hören lassen: Tonaufnahmen von ca. zwei bis drei Minuten mit Musikintro und kurzen Dialogen. Die Schülerinnen und Schüler einer siebten Klasse der Maria von Linden-Gymnasiums Stammheim dagegen nutzten Audioguides für das Fach Geschichte. Im Rahmen eines Unterrichtsprojekts produzierten sie eine historische Audioführung durch Calw, für die sie viele Informationen über das Stadtleben zusammentrugen, mit Hintergrundgeräuschen und Musik unterlegten und so eine 14-minütige Zeitreise bastelten. In beiden Fällen wurden die Audiodateien mit dem Schnittprogramm Audacity geschnitten und nachbearbeitet und auf die Plattform Audiyou hochgeladen, auf der wiederum die QR-Codes erzeugt wurden.

 

Die Online-Audiothek Audiyou

 

Die kostenlose Online-Audiothek Audiyou ist eine Plattform für Audiodateien, wie z.B. Musik, Atmos, Geräusche, Hörspiele, Features oder Lesungen. Man kann dort nicht nur eigene Beiträge hochladen, sondern auch lizenzfreie Töne für eigene Audioproduktionen herunterladen. Zudem ist es möglich, Kategorien für eigene Beiträge zu vergeben, QR-Codes für die Dateien erzeugen zu lassen oder die Aufnahmen per Drag & Drop auf einer Landkarte zu verorten. Audiyou wird in Deutschland von einer Hamburger Firma betrieben und ist nach Aussage von Eifert und Straub sehr kooperativ, gerade auch im Schulbereich. So kann man sich etwa extra als Schulklasse anmelden, sodass die frisch produzierten Beiträge direkt online gehen, ohne noch einmal geprüft zu werden.

 

Hier finden Sie die im Workshop erstellte Produktion Der komische LMZ-Guide.

Anwendungsmöglichkeiten für digitale Audiostifte

Folkhard Leuschner erklärt den Anybook Reader. Bild: Louis Mehlin/LMZ

Anwendungsmöglichkeiten für digitale Audiostifte stellte Folkhard Leuschner, Leiter des Kreismedienzentrums Heilbronn, in seinem Workshop vor. Audiostifte können für das Auge nicht sichtbare Muster erkennen und spielen dann einen zugeordneten Ton ab, wobei die Besonderheit des vorgestellten Modells (Audio-digitaler Vorlesestift AnyBook DRP-5100 der Firma Franklin) darin besteht, dass nicht nur vorproduzierte Töne, sondern auch selbst aufgenommene Audiodateien bestimmten Mustern zugeordnet werden können. Die Muster befinden sich auf Aufklebern, welche auf Papier oder auf Gegenständen angebracht werden. Mit dem Audiostift kann man sich dann beispielsweise vorlesen lassen, wie dieser Gegenstand in einer anderen Sprache genannt wird.
Im Workshop hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Möglichkeit, die Stifte auszuprobieren und sich weitere Einsatzmöglichkeiten zu überlegen. Leuschner gab dazu ein paar Leitfragen mit:

  • Testet die Übung das Wissen der Schülerinnen und Schüler oder können sie etwas dabei lernen?
  • Lohnt sich der Aufwand mit den Tonaufnahmen, entsteht dadurch ein Mehrwert?
  • Wie können Situationen gestaltet werden, bei denen die Schülerinnen und Schüler möglichst viel selbst machen und gestalten können?
Ein Gegenstand wird für den Audiostift vertont. Bild: Louis Mehlin/LMZ

Richtig lohnenswert sind die Audiostifte vor allem, wenn es um Sprache beziehungsweise Aussprache geht oder darum, das Sprechen oder Zuhören zu üben. Leuschner selbst hatte als Beispiele einige Übungen vorbereitet: So galt es Worte mit stimmhaftem von stimmlosem „S“ zu unterscheiden oder Töne nach ihrer Höhe zu sortieren. Mit den bereits auf den Stiften vorhandenen Geräuschen und Tierstimmen können Hörrätsel oder Hör-Memorys gebastelt werden. Eine Teilnehmerin des Workshops erzählte, dass sie bereits in einer Schulklasse mit diesen Stiften ein großes interaktives Plakat zur Kultur Brasiliens gebastelt habe: Gemeinsam hätten sie dafür Informationen gesammelt und eingesprochen, Gedichte und Musik aufgenommen.


Ein Vorteil der Audiostifte ist, dass sie problemlos ohne Computer oder Internet eingesetzt werden können und somit keine zusätzliche Ausrüstung an den Schulen erforderlich ist. Allerdings verfügen die Stifte über eine USB-Schnittstelle, so dass sie bei Bedarf mit einem Computer verbunden werden können. Auf diese Weise kann der Speicher eines Stifts auf den Rechner übertragen und auf andere Stifte aufgespielt werden.

Impressionen vom Ohrenspitzer-Jahrestreffen

Das Projekt Ohrenspitzer

Das Projekt Ohrenspitzer ist mittlerweile in über 30 Landkreisen in Baden-Württemberg vertreten und bietet über 70 Veranstaltungen pro Jahr. Ohrenspitzer wird gefördert von der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg (LFK), der Stiftung MedienKompetenz Forum Südwest (MKFS), der Landeszentrale für Medien und Kommunikation Rheinland-Pfalz (LMK) und dem Südwestrundfunk (SWR).

Links

Ohrenspitzer Baden-Württemberg

Materialien, Praxisbeispiele, Ohrenspitzerkoffer, Termine, Standorte u.v.m.

 

Ohrenspitzer: neue Internetseiten mit Mediathek und Geräuschelandkarte.

Der Blogartikelbeschreibt die neuen Funktionalitäten der neuen Ohrenspitzer-Website.

 

Pilotphase gestartet: Tablets für mobile Audioarbeit an Projektschulen

Für die Dauer einer ersten Pilotphase erhielten Projektschulen Tablets für die aktive Audioarbeit im Unterricht.

 

Schülerradio für Baden-Württemberg

Das Stadtmedienzentrum Stuttgart (SMZ) am LMZ BW berät und hilft ganz konkret bei der professionellen Umsetzung von Radioprojekten.

 

MediaCulture-Online: Audio

Radio, Podcast, Musikproduktionen: Nützliche Tipps zur digitalen Audiotechnik und Ideen für die pädagogische Praxis.

 

Stiftung Zuhören

Projekte, Fortbildungen, Termine u.a. zum Thema Zuhören.

 

GanzOhrSein

Ein modulares Handlungsmodell zu Hörenfördern und Hörenmachen mit Bausteinen zur Zuhörförderung.

 

Auditorix

Hörspielwerkstatt der Landeszentrale für Medien (LfM) und Schule des Hörens für Kinder, Pädagoginnen und Pädagogen.

 

Materialien zum Thema Hören

Materialbestellung bei der Landeszentrale für Medien (LfM), z.B. „Auditorix“, Broschüre „Der Sinn des Hörens“.

 

Die Welt des Hörens

Website der Initiative Hören – Offensive für das Ohr.

 

Schule des Hörens

Seite zur Förderung des Bewusstseins der Sinneskompetenz Hören.

 

Hörspielbox

Alles rund um Sounds im Netz: Geräusche und Klänge online..

 

Soundbearbeitung mit Audacity

Informationen und Anleitung für die Audio-Editing-Freeware Audacity mit Link zur Internetseite von Audacity (zum Download)

 

Gutes Hinsehen und Zuhören – Ratgeber für Eltern

Materialien der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) zum Thema Lärm und Gesundheit.

Audio, Außerschulische Pädagogik, Erzieherinnen und Erzieher, Lehrkräfte, Tagungsdokumentation

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